Beschütz' mich weiter als du schreiben kannst

Performance-Reihe am 10., 11. und 14. Juni 2026 in Friedrichshafen

„Beschütz‘ mich weiter als du schreiben kannst“ ist ein Briefwechsel der Künstler:innen Anna Gohmert und Cy Linke über Schutzräume, Körper und Bedrohung. Dabei nimmt Gohmert die cis-weibliche Perspektive einer Care-Takerin, Linke eine queere nichtbinäre trans*-Perspektive ein. Der Briefwechsel entstand im Frühjahr 2025 und verhandelt politische Entwicklungen dieser Zeit und Überlebenserfahrungen der beiden: Kann Literatur Schutzraum sein? Wann wird Literatur zur Bedrohung und für wen? Ist Schreiben Luxus, weil es dafür temporäre Schutzräume braucht? Und wenn das so ist, wie verhalten wir uns zu den Diskrepanzen zwischen gelebten Erfahrungen und den Texten, die sich über Schutzräume, Körper und Bedrohung finden?

Die Performance-Reihe mit Olga Hohmann, Cy Linke, Anna Gohmert und Miriam Stoney verhandelt Fragen nach kollektiver Erschöpfung, gesellschaftlichen Routinen und Möglichkeiten des Widerstands performativ und literarisch.

Alle Bilder: Maidje Meergans

Cy Linke (im Bild: links) ist Autor:in, Regisseur:in, Performancekünstler:in und Bodyworker:in. Linke studierte Philosophie-Künste-Medien an der Universität Hildesheim und Regie an HfMT in Hamburg und an der ZHdK in Zürich. Mit der Abschlussproduktion “Fallen (durchgestrichen)” wurde Linke zum Körber Studio Junge Regie 2022 und zum OUT NOW Festival Bremen 2023 eingeladen. Darauf folgten Auftritte im Thalia Theater Hamburg, im Ballhaus Ost Berlin, im Theater Magdeburg, im Lichthof Theater Hamburg, am Schauspiel Hannover, beim Stuttgarter Literaturfestival, re:publica u.v.a.

Anna Gohmert (rechts) lebt und arbeitet in Stuttgart. Sie studierte Bildende Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und war Meisterschülerin im Weißenhof-Programm. In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet Anna Gohmert interdisziplinär an der Schnittstelle von Performance, Installation, Text, Film und künstlerischer Forschung. Ihre Arbeit fragt danach, wie Care, Körper und Sprache Beziehungen strukturieren und wie darin Erfahrungen von Geburt und Tod, Sichtbarkeit, Verletzlichkeit und politischer Teilhabe eingeschrieben sind. Neben ihrer künstlerischen Praxis übernimmt sie Lehraufträge wie z. B. der ABK Stuttgart und arbeitet in unterschiedlichen Vermittlungs- und Forschungskontexten.

The Guilty Spectator, Olga Hohmann

„The Guilty Spectator“ ist ein Monolog, der die Frage nach dem Beobachten als Position der Involviertheit stellt. Inwieweit ist man immer schon Teil dessen, was man scheinbar nur observiert? Inwieweit produziert man, ganz buchstäblich, die Bilder, denen man sich ausgesetzt fühlt? Der etwa 45-minütige Monolog ist mehrspurig wie eine breite Autobahn. Er ist durchsetzt von gesungenen Passagen, Anekdoten und Theorie und folgt dem mäandernden Rhythmus eines Roadtrips, bei dem jeder Umweg erlaubt ist, denn „der ist Weg das Ziel“. 

Olga Hohmann schreibt Essays, Prosa-Miniaturen: Texte, die zum Vorlesen gedacht sind. Slogans, Aphorismen und Gedankenblitze werden dabei hierarchisch gleichwertig. Zuletzt trat sie im Westfälischen Kunstverein Münster, dem Kunstverein München, dem Schinkel Pavillon Berlin, der Stoschek Foundation Düsseldorf, der Kunsthalle Osnabrück, der Kunsthalle Düsseldorf, im Kunstverein Harburger Bahnhof, in der Deutschen Oper Berlin, im Roten Salon der Volksbühne Berlin, im Archivio Conz, im Kasseler Kunstverein, der Fondation Beyeler und im Rahmen von Texte zur Kunst im Silent Green Berlin auf.

Olga Hohmann wird für die Performance ausgestattet von Esra von Kornatzki.

Debt Verses, Miriam Stoney

In Englischer Sprache

Miriam Stoney wird den vollständigen Text von Debt Verses lesen, einem erzählenden Gedicht, das 2022 gemeinsam vom Kinakaal Vorlag und der Bergen Assembly veröffentlicht wurde. Die Geschichte einer jungen Frau, die vor ihrem Gläubiger flieht, entwickelt sich zu einer traumartigen Roadtrip-Sequenz, während die Protagonistin versucht, ihren Lebensunterhalt als Wahrsagerin zu verdienen. Begegnungen mit Figuren wie dem Psychoanalytiker, dem Dieb und der Hausfrau zeigen die Vielfalt der verschuldeten Gemeinschaft und wie Rückzahlungsforderungen unsere Zukunft bestimmen – zum Guten oder zum Schlechten.

Miriam Stoney (*1994, Scunthorpe, Großbritannien) arbeitet als Schriftstellerin, Übersetzerin und Künstlerin. Heute lebt sie in Wien. Sie studierte im Vereinigten Königreich, wo die Studiengebühren – und damit auch die Studienkredite – 2012 auf 9.000 Pfund pro Studienjahr verdreifacht wurden. In diesem Jahr begann ihr Jahrgang das Studium. Ein Großteil, wenn nicht sogar die Gesamtheit von Stoneys Arbeit ist von der Verschuldung geprägt, die während dieser prägenden Zeit entstanden ist.