Die norddeutsche Jugendbuch- und Sachbuchautorin bricht mit dem Klischee der einsamen Schriftstellerin in der Berghütte. Maja Nielsen glaubt, dass Literatur leben muss und im Austausch entsteht. Ihre Bücher führen deshalb oft in die Vergangenheit – und immer wieder zu den Zeitzeug:innen, die sie selbst erlebt haben.
Deshalb schottet sich Nielsen beim Schreiben bewusst nicht ab, sondern radelt fast jeden Tag einige Kilometer mit dem Rad ins Café des Unverpacktladens in ihrem Dorf. Sie schreibe aus und für die Gesellschaft zugleich. Für ihre historischen Jugendromane arbeitet sie eng mit Zeitzeug:innen zusammen, mit denen sie während des gesamten Recherche- und Schreibprozesses im Austausch steht. Ihre Arbeit bezeichnet Nielsen deshalb als „sehr dynamisch“. Die 62-Jährige erzählt lachend, dass sie schon immer ein Mensch mit großen Netzwerken war und ihr der Kontakt zu allen Altersgruppen wichtig ist.
Ein Wohnzimmer voller Testleser:innen
Bevor ein Buch von ihr veröffentlicht wird, lädt sie mindestes zehn Personen aus allen Generationen in ihr Wohnzimmer ein. Dabei liest sie ihre Texte bewusst laut vor. Insbesondere bei ihren packenden Jugendromanen könne sie anhand der Reaktionen sehr schnell ablesen, ob die Zielgruppe wirklich gefesselt sei beim Zuhören. Über kluge Kritiken freut sie sich immer sehr. “Das habe ich aus meinem Beruf als Schauspielerin am Theater mitgenommen”, bekräftigt die Geschichtenerzählerin. Feedback bringe einen immer weiter.
Die gelernte Schauspielerin hatte Theaterengagements in vielen Teilen Deutschlands. Als sie Kinder bekam, stellte sie fest, dass sich ihre Arbeit auf den Bühnen der Republik und das Familienleben nicht besonders gut vereinbaren ließen. Daraufhin sprach sie für den Hessischen Rundfunk einige Rollen als Sprecherin. Dass sie selbst schreiben kann, war ihr bis dahin nicht klar - sie hatte es nie ausprobiert.
Als Hobby begann sie, die Geschichten aufzuschreiben, die sie für ihren dreijährigen Sohn erfand. Eine Redakteurin des Hessischen Rundfunks war davon so begeistert, dass die Texte ausgestrahlt wurden. Damit begann Nielsens Karriere als Schreibende. Schon bald kam ein Hörbuchverlag auf sie zu, später wurden ihre Features für Preise nominiert. Schließlich fragte sie der Gerstenberg-Verlag an, für den die Netzwerkerin bis heute arbeitet – mit derselben Lektorin seit 30 Jahren. „Damit bin ich ein seltenes Gewächs in der Literaturlandschaft“, schmunzelt die 62-Jährige.
Freiheit als literarisches Thema
Aber der Verlag ermöglicht es ihr, genau die Geschichten zu schreiben, die sie als Kind gerne gelesen hat. Denn für die kleine Maja Nielsen musste es vor allem abenteuerlich sein. Sie liebte Geschichten, die sie auf weite Reisen entführten oder auf Expeditionen schickten. Eines ihrer Idole, Astrid Lindgren, bewundert sie auch heute noch. Pippi Langstrumpf ist für sie der Inbegriff von voll ausgeschöpfter innerer und äußerer Freiheit, die Kinder wie Erwachsene gerne lesen.
Das Prinzip Maja Nielsen sind Sachthemen, die als fesselnde Geschichten daherkommen. Sie glaubt daran, dass jedes Thema jede Person interessieren kann, wenn man Wissen in Geschichten verpackt. Seit Jahrzehnten veröffentlicht sie deshalb die Reihe „Abenteuer! Maja Nielsen erzählt“, die inzwischen 27 Bände zu unterschiedlichsten Sachthemen umfasst – von der Titanic über Vulkane bis zu Marie Curie.
2009 erscheint ihr erstes Jugendhörspiel “Feldpost für Pauline”, das Feldpostbriefe aus dem ersten Weltkrieg enthält. Es wird mit dem Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet und für das Theater adaptiert. Im Nachfolgeband “Tatort Eden, 1919” reist Nielsen erneut in die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg und greift die Novemberrevolution und den Mord an Rosa Luxemburg auf.