Doppel-Debüt-Lesung
Wissenschaft, Natur und Poesie: Sophia Klink beim Ulmer Lyriksommer

Im Rahmen des Literatursommers Baden-Württemberg, der in Ulm ein Lyriksommer ist, war die Münchner Autorin und promovierte Biologin Sophia Klink am 17. September im Einsteinhaus Ulm, Club Orange, zu Gast. In einer besonderen Doppel-Debüt-Lesung stellte sie ihren Lyrikband „Ich lösche die Kirschen aus meinen Genen“ sowie ihren Romanerstling „Kurilensee“ vor.

Mit ausgewählten Texten aus beiden Büchern nahm Sophia Klink das Publikum mit in eine Welt zwischen Labor und Wildnis, zwischen wissenschaftlicher Präzision und poetischem Staunen. „Es gilt zu beachten: Dornen sind Organe, Stacheln nur Auswüchse“ – dieser Vers verblüfft. Ihre Texte führen in Moore und Wälder, zu Fischen und Kakteen, aber auch unter das Mikroskop – zu Genen, Proteinen, Plankton und Mikroorganismen. Dabei wird wissenschaftliche Fachsprache selbst zu poetischem Material.

Im anschließenden Autorinnengespräch interessierte sich Christine Langer, Moderatorin des Abends, besonders für Sophia Klinks ausgeprägte Verbindung von Literatur und Biologie. Klink sprach darüber, wie sich wissenschaftliche Beobachtung und poetisches Empfinden begegnen, welche Möglichkeiten die Literatur gegenüber der Wissenschaft bietet und warum gerade das Unsichtbare in der Natur eine so wichtige Rolle in ihren Texten spielt. Auch ethische Fragen kamen zur Sprache: Tierversuche, menschliche Eingriffe in Ökosysteme und die Verantwortung der Wissenschaft angesichts unvollständigen Wissens. Klink verbindet ökologische Fragestellungen mit persönlichen Fragen ihrer Protagonistin. Die Frage, was ein Gedicht kann, was ein Roman nicht kann, führte dabei zu einem Gespräch über die facettenreichen Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache.

In Sophia Klinks Texten wird deutlich, wie eng bei ihr Natur und Mensch, Wissenschaft und Poesie miteinander verbunden sind. Der Autorin gelingt es, den Blick für die Vielfalt und Lebendigkeit der Natur zu schärfen – bis hin zu den kleinsten Organismen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben.

Ein anregender Literatursommerabend, der dazu einlud, das Verhältnis von Mensch und Natur neu zu betrachten und sich von der poetischen Kraft wissenschaftlicher Beobachtung überraschen zu lassen.

Alle Bilder: Dichter dran e.V.