Zwischen Licht und Stein: Schweizer Lesefest mit Ilma Rakusa und Regina Dürig

„Steigen dunkle Gedanken auf, verscheuche ich sie: mit einem Gramm Poesie“ (Ilma Rakusa)

Über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus richtete die dritte Veranstaltung des Ulmer Lyriksommers am 19. Juni 2026 den Blick auf eines unserer Nachbarländer, die Schweiz. Mit Ilma Rakusa und Regina Dürig waren zwei sprachmächtige Autorinnen der Schweizer Literaturszene zu Gast.

Mit Zeilen aus Rakusas Buch „Wo bleibt das Licht“ begrüßte Christine Langer, Kuratorin des Ulmer Lyriksommers, das Publikum zum Schweizer Lesefest im Kunstverein Ulm. Hier trafen zwei Schriftstellerinnen verschiedener Generationen aufeinander, die mit viel Gespür für Sprache als Erkenntnisraum auf unterschiedliche Weise die Möglichkeiten und Grenzen literarischen Ausdrucks erkunden.

Ilma Rakusa, vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturwissen­schaftlerin, stellte aus ihrem Buch „Wo bleibt das Licht“ vorwiegend Gedichte vor. In Tagebuch­notizen und Prosaskizzen reflektiert sie in diesem Werk politische und gesell­schaftliche Gegenwart ebenso wie persönliche Erinnerungen und kulturelle Erfahrungen. Ihr Schreiben bewegt sich zwischen Analyse und individueller Empfindung. Das Private und das Politische erscheinen nicht als Gegensätze, sondern als ineinander verschränkte Per­spek­tiven. In vielen Passagen durchzieht den Text die Frage nach Hoffnung und Orientierung – ohne Antworten zu geben. Das konsequente Festhalten an Menschlichkeit und Mitgefühl erscheint als eine grundlegende Haltung, die den Unsicherheiten der Gegenwart etwas ent­gegensetzt. 

Die gebürtige Mannheimerin Regina Dürig las aus ihrem Erzählband „Frauen und Steine“. In den pointierten, erzählerisch freien Geschichten erkundet sie weibliche Lebensentwürfe zwischen Widerstand und Selbstbehauptung. Ihre Texte richten den Blick auf das Übersehene, Verdrängte, und verbinden Recherche und Fiktion mit erzählerischem Witz.

Im Autorinnengespräch wurde Schreiben als ein Dialog zwischen literarischer Verdichtung und experimenteller Offenheit thematisiert. Neben Ilma Rakusa beschäftigt sich auch Regina Dürig in ihrem Erzählband mit literarischer Verknappung – ein Ansatz zum lyrischen verdichtenden Arbeiten. Ilma Rakusa sprach über Orte, die sie mit Licht verknüpft: Das Schweizer Lesefest war ein lichter, sehr bereichernder Abend, resonanzstark und gehaltvoll; ein Abend zwischen Erfahrung und Aufbruch, zwischen bewährter Meisterschaft und frischem Blick.

Das Schweizer Lesefest wurde von Dichter dran e.V. in Kooperation mit dem Kunstverein Ulm durchgeführt. Die Veranstaltung wurde gefördert von der Baden-Württemberg-Stiftung im Rahmen des Literatursommers, der Stadt Ulm sowie der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Alle Bilder: Dichter dran e.V.