Vortrag von Gerd Xeller
Welche Rolle spielen Technik, Fortschritt und Menschlichkeit im Denken Hermann Hesses? Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts beobachtete Hesse die rasante Entwicklung von Technik, Industrialisierung und gesellschaftlichem Wandel mit großer Aufmerksamkeit. In Essays, Briefen und literarischen Werken setzte er sich immer wieder mit der Frage auseinander, wie der Mensch in einer zunehmend technisierten Welt seine innere Freiheit, seine Individualität und seine Menschlichkeit bewahren kann. Ausgehend von Hesses zeitkritischen Beobachtungen wird gezeigt, wie seine Texte zentrale Spannungsfelder unserer Gegenwart vorwegnehmen: den Konflikt zwischen Technik und innerer Entwicklung, die Suche nach Sinn in einer beschleunigten Welt, sowie die Frage nach der Balance zwischen Fortschritt und Menschlichkeit. Dabei schlägt der Vortrag eine Brücke von Hesses Epoche zu heutigen Debatten über Künstliche Intelligenz, Automatisierung und den Wandel der Arbeitswelt. Seine Gedanken eröffnen eine Perspektive, die nicht technikfeindlich ist, sondern nach einer verantwortlichen und menschlichen Gestaltung des Fortschritts fragt.